07. März 2020

Hauptsache Parken

Und damit möchte ich auch gleich zu dem aus meiner Sicht sehr brisanten Thema “Parken” kommen. Immer wieder berichten Radler*innen oder Menschen, die zu Fuß unterwegs sind, per Tweet über die katastrophalen Zustände in ihren Städten und Gemeinden und dem Frust, der sich breit macht, wenn weder Polizei noch Ordnungsamt etwas dagegen unternehmen. Auf meinem täglichen Arbeitsweg erlebe ich immer wieder parkende Autos auf ohnehin viel zu schmalen Fußwegen, obwohl auf der gegenüberliegenden Straßenseite Parktaschen frei sind.

Macht Euch einfach einmal ein Bild davon unter diesem persönlichen Tweet: https://twitter.com/CarisTaube/status/1218620027420717056

Tägliche Grüße vom Murmeltier zur miserablen Situation auf unseren Rad- und Gehwegen findet Ihr in Twitter z.B. unter:

#runtervomgehweg #runtervomradweg #falschparker #MehrPlatzFürsRad #freieWege

Bei mir zuhause um die Ecke, gibt’s ein Schulzentrum und einen Sportplatz. Dazwischen führt ein Feldweg entlang, ausgeschildert mit Verkehrszeichen 260 (Verbot für mehrspurige Kfz und Motorräder). Insbesondere dienstags und donnerstags abends parken dort - offenbar sehr sportliche Genossen - immer wieder ihre Fahrzeuge auf dem mittlerweile sehr in Mitleidenschaft geratenen Grünstreifen unmittelbar vor dem Sportplatzeingang. Parktaschen entlang der Straße gibt es keine 100 m entfernt.

Habe mir schon mehrfach überlegt, wenn ich dort mit meinem Rad entlang komme, ob ich nicht einmal bei einem Training oder samstags bei einem Spiel mit meinem Rad einfach auf das Spielfeld fahren und es dort demonstrativ auf dem Mittelpunkt abstellen sollte. Was meint Ihr?

In Beuel/Pützchen, so lese ich gerade im Bonner General-Anzeiger, wurde eine neue Boule-Bahn kurz vor ihrer Einweihung durch widerrechtlich parkende Autos zerstörthttps://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/beuel/boulebahn-in-puetzchen-bahn-kurz-vor-einweihung-zerstoert_aid-48163853

 

Warum? Gedankenlosigkeit? Ignoranz? Respektlosigkeit? Frust/Verzweiflung? Oder Bequemlichkeit? Insbesondere bei uns am Sportplatz kann ich das nicht nachvollziehen. Erinnert mich irgendwie an die Spezies, die 400 m ins nächste Sportstudio mit dem Pkw fährt, um sich dort 2 Stunden auf den Cross-Trainer und das Laufband zu stellen.

Es ist mir wirklich eine Herzensangelegenheit, Euch an dieser Stelle zu ermutigen, einfach Initiative für Eure Wege und Plätze zu ergreifen. Zeigt doch den Falschparkenden durch einen kleinen, aber feinen Aufkleber auf der Fahrerseitenscheibe oberhalb des Türgriffes, dass das Auto dort, wo es geparkt wurde, nicht hingehört. Die Aufkleber gibt es z.B. im Online-Shop von UMKEHR e.V. und FUSS e.V. unter: https://www.umkehr-fuss-online-shop.de/view/productdetails/virtuemart_product_id/3/virtuemart_category_id/1.html

Oder probiert’s doch einfach mal mit der Wegeheld-App und den WEGEHELD-VISITENKARTEN zum SELBER DRUCKEN, die finde ich auch sehr originell. Alles zu finden unter: https://www.wegeheld.org/wegeheld-nutzen

Und wenn Euch die Hutschnur platzt - insbesondere bei penetranten Wiederholungstätern - und auch Ihr der Meinung seid, dass Lernen manchmal auch (finanziell) weh tun muss, dann erstattet einfach Anzeige bei Eurem Ordnungsamt. Der ADFC Hamburg erklärt und verlinkt sehr gut, wie und wo das mit den Fremdanzeigen funktioniert:
https://hamburg.adfc.de/verkehr/maengelmelder/falschparker/

In Köln könnt Ihr Falschparker unter folgendem Link melden:
https://www.stadt-koeln.de/service/produkt/falsch-geparktes-fahrzeug-melden?kontrast=schwarz

Wenn Ihr für Eure Stadt/Gemeinde in Erfahrung bringen wollt, wie Ihr gegen Falschparker vorgehen könnt, dann gebt in Google einfach mal die Stichworte “falschparker melden {und Eure Stadt/Gemeinde} ein. Da solltet Ihr fündig werden.

Wenn Ihr die Autos mal fliegen lassen wollt, hier der Link zur #Abschleppgruppe:https://twitter.com/Poliauwei/status/1195512518099316736

Und ok, auch das wäre eine Maßnahme, zugeparkte Gehwege wieder frei zu bekommen (schmerzt womöglich deutlich mehr als die 10 EUR Verwarnung vom Amt): Lasst Euer 7-jähriges Kind mit dem Rad gaaaanz dicht an dem auf dem Gehweg parkenden Auto vorbei radeln, denn “wenn ein PKW ordnungswidrig auf einem Gehweg parkt und diesen auf 1 Meter verengt, kann ein radfahrendes 7-jähriges Kind oder deren Eltern nicht zur Haftung herangezogen werden, wenn es mit dem Rad das Auto beschädigt. Die Risiken eines rechtswidrig abgestellten Fahrzeugs habe in erster Linie der Parkende zu tragen. Auch die Eltern haben keine Aufsichtspflicht verletzt, insbesondere müssen sie ihr Kind nicht zum Absteigen auffordern.” Nur Mut, ran an den Lack!
https://www.rechtsindex.de/verkehrsrecht/708-unerlaubt-auf-gehweg-geparkt-kind-beschaedigt-auto

Aber es gibt auch ganz andere, kreative Lösungen, wie Ihr Euch die Stadt zurückerobern könnt. Das Berliner Freiraumwunder verwandelt Parkplätze in Lebensräumehttps://twitter.com/cityradler/status/1206463044936699904

Auch die Kölner Wanderbaumallee sorgt für mehr Lebensqualität auf den Straßen und Plätzenhttp://wanderbaumallee-koeln.de/wanderbaumallee-koeln/

Beim VCD e.V. gibt es Anleitungen von der Rückeroberung der Straße unter: https://www.strasse-zurueckerobern.de/anleitungen/

Tweets, Videos und aus den Medien

Es könnte alles so schön sein ...

Ride A Bike (and get happy!): https://m.youtube.com/watch?feature=youtu.be&v=7ACNDeqQIVI

Streetfilms, die Laune machen!
The radical choice: Get the cars out and the bicycles and people in!
UTRECHT - Planning for People, not for Carshttps://vimeo.com/344373585

Auch in Belgien scheint alles ganz einfach zu funktionieren. Hier der Streetfilm über den innovativen Weg, wie Gent die Autos aus der Stadt entferntehttps://vimeo.com/379854529

Vom 1. März 2020 an ist Luxemburg das erste Land der Welt, in dem man für Busse und Bahnen keine Fahrkarten mehr braucht. Nur die 1. Klasse der Bahn bleibt kostenpflichtig. https://www.zdf.de/nachrichten/heute/erstes-land-busse-und-bahnen-fahren-in-luxemburg-kostenlos-100.html

Schaut mal, was sich seit der Streikwelle in der Stadt der Liebe (zum Fahrrad) so alles getan hat. Die Königin lebt - So schön und so gefährlich. Ein kurzer Artikel in der Süddeutschen Zeitung von Joseph Hanimann: https://www.sueddeutsche.de/politik/paris-die-koenigin-lebt-1.4742595 

Hallo, aufwachen! Träumen einstellen, wir sind in Deutschland ...

Das krasse Gegenteil aus deutschen Gemeinden wie z. B. Stahnsdorf. Dort gab es das vorweihnachtliche Geschenk für “mehr regionale Mobilität”: Die #Biomalzspange wurde für den Verkehr freigegeben. Und @mies1234 hat kurzerhand den Punkt markiert, wo “der Radfahrer stirbt”. Siehe selbst: https://twitter.com/mies1234/status/1207950253183393792

Jetzt übertragen wir das Beispiel aus Stahnsdorf mal auf das Auto. “Damn, the road lane ends again! I hate sharing the tracks with the train.” Unvorstellbar, oder? Aber mit uns Radfahrern kann man das ja machen hier in Deutschland: https://twitter.com/SafeCyclingEire/status/1212852559813189642

Hier noch ein Beispiel von @heimann_zerner , wie Fahrradstraßen in Wiesbaden aussehen. Ist doch ein Witz, was Politik und Verwaltung sich da so ausdenken und dann nicht konsequent umsetzen, sprich: kontrollieren und abschleppen. Völlig zurecht: “Mit ernstzunehmenden Behörden hat das hier wirklich NIX mehr zu tun, nur mit #Behördenversagen!” https://twitter.com/heimann_zerner/status/1206626004900491264

Ellen Draxel beschreibt in der Süddeutschen Zeitung am Beispiel der Clemensstraße in München-Schwabing, was leider überall in deutschen Großstädten nicht funktionieren wird. Es genügt eben leider nicht, ein Straßenschild “Fahrradstraße” aufzustellen und auf die Straße zu pinseln. "Das Symbol einer Fahrradstraße suggeriert entspanntes Radfahren, in der Clemensstraße sind die Kräfteverhältnisse aber wie auf einer ganz normalen Straße", monierte eine Schwabingerin. "Ich werde regelmäßig angehupt", klagt sie, zudem an den Fahrbahnrand gedrängt. Kommt Euch bekannt vor, oder? https://www.sueddeutsche.de/muenchen/muenchen-schwabing-fahrradstrasse-test-1.4747166

@dansiela_b postet aus ihrer nicht eben kleinen Fotosammlung zu komplett sinnloser Fahrradfarbe ein weiteres Beispiel, was beim Fahrrad- und Fußverkehr in Deutschland alles schief läufthttps://twitter.com/dansiela_b/status/1209867880000565249

Hamburg verpasst wirklich jede sich bietende Gelegenheit, um den Radverkehr attraktiver zu machen. Die neuen Pläne für die #Elbchaussee sind ein verwirrender Mix und helfen weder Rad- noch Autofahrern: https://twitter.com/RadwegH/status/1219700045114695682

Schwer zu glauben, wenn man von den Impulsen für den Radverkehr aus dem NRW-Landtag liest, aber leider wird hier eine zukunftsweisende Chance für die kommenden Jahrzehnte gerade verpasst. Die Stadt Bonn verabschiedet sich von dem Bau eines Radschnellwegs entlang des Tausendfüßler-Neubaus (A565). Nach Aussage der Verwaltung wird das Projekt zu teuer. Kritik kommt von ADFC und VCD berichtet der General-Anzeiger: https://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/bonn-stadt-gibt-radschnellweg-entlang-der-a565-auf_aid-47949449

Und auch dieser WDR-Beitrag über die Pläne von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer zu Radwegen an Bundesautobahnen, lässt mich an der Glaubhaftigkeit der Politik doch stark zweifeln. Jetzt, wo der Radschnellweg am Bonner Tausendfüßler gestorben ist:
https://www.youtube.com/watch?v=OPZUdv-QxkQ

Bitte, verehrte Politiker und Entscheidungsträger in den Verwaltungen, macht Euch bewusst, dass die Menschen ein Recht auf ein sicheres Verkehrssystem haben (siehe Deutscher Verkehrssicherheitsrat #VisionZero) und ändert endlich etwas an der Infrastruktur, so dass solche Weihnachten und dieses große Leid den Menschen künftig erspart bleibt. Stefan Jacobs berichtete kurz vor Weihnachten in DER TAGESSPIEGEL über eine Mutter, die um ihren Sohn trauert, der vom Lkw überrollt wurde: https://amp.tagesspiegel.de/berlin/weihnachten-ohne-constantin-eine-mutter-trauert-um-ihren-sohn-der-vom-lkw-ueberrollt-wurde/25361196.html

Und kaum, dass das neue Jahr ein paar Tage alt ist, kommentiert Stefan Jacobs erneut in DER TAGESSPIEGEL den Tod einer Radfahrerin in Kreuzberg. Es gäbe Abhilfe, aber niemand nimmt sie ernsthaft in Angriff, obwohl seit Inkrafttreten des Mobilitätsgesetzes 2018 unverzüglich geprüft werden muss, ob mangelhafte Infrastruktur einen Unfall begünstigt. Ich bin der Meinung, der Grundsatz Nr. 4 der #VisionZero muss gesetzlich verankert werden, damit sowohl Politik als auch Verwaltung für Fehler und Versäumnisse h aftbar gemacht werden können. Dann würde sich vielleicht auch schneller etwas ändern und sichere Verkehrsinfrastrukturen würden geschaffen. https://m.tagesspiegel.de/berlin/tod-einer-radfahrerin-in-berlin-willkuer-und-symbolik-statt-echter-konsequenzen/25405810.html

Auch Stefan Kuzmany schreibt in der Kolumne bei DER SPIEGEL über den für viele Fußgänger*innen und Radfahrer*innen tödlichen Straßenverkehr in Berlin, dem Knotenpunkt des Versagens:  https://www.spiegel.de/politik/deutschland/radfahrer-und-fussgaenger-in-berlin-toedlicher-verkehr-kolumne-a-cd9a3432-3724-4912-95a7-8f64c96c0914-amp

Einfach nur lustig, wenn’s nicht so traurig wäre ...

Die @radkolumne twittert, warum wir den lebenslangen Führerscheinentzug brauchen. Das Video erklärt es: https://twitter.com/radkolumne/status/1212863897629347840

Die @CSUMuenchen findet, dass die Rot-Grüne-RADikal-Politik ausbremst und versucht offenbar, “Letztwähler” statt “Erstwähler mit Zukunftspotential” für die Kommunalwahl am 15.03.2020 zu gewinnen. Eine - wie ich finde - der dümmsten Werbekampagnen, die sich Wahlkämpfer*innen einfallen lassen konnten. Rückwärts gewandt erinnert sie an die 60er Jahre. Scharf seziert in 10 Punkten von  @DAfaehrtRad (Darmstadt fährt Rad): https://twitter.com/DAfaehrtRad/status/1217022675597643776

Beiträge wie dieser, lassen sich wirklich nur volltrunken ertragen. Dennoch, diesen AfD-Beitrag musst Du Dir reinziehen. Es folgt der schwachsinnigste Redebeitrag der Woche im Deutschen Bundestag: „Nüchtern betrachtet sind Fahrräder in hohem Maße unpraktisch und gefährlich.“https://twitter.com/SecretCoAuthor/status/1218166637582594051

Diesen obigen Schwachsinn widerlegt @fietsprofessor in einem 10 Sekunden Beitrag, denn “Instead of driverless cars… we desperately need more carless drivers in 2020s! And more bicycle streets!”https://twitter.com/fietsprofessor/status/1210976285268348930

Und gleich noch ein Beitrag des WDR, der zeigt, wie verantwortungsbewusst und nachhaltig sowohl Kinder als auch Lasten mit dem Rad transportiert werden können. Ich finde, “Nüchtern betrachtet, gibt’s schon seit mehr als 100 Jahren äußerst praktische und für Mitmenschen und Umwelt ungefährliche Verkehrsmittel. Einzig sind die zur Verfügung stehenden Radwege in hohem Maße unpraktisch und gefährlich.” Das Comeback des Lastenrads: https://www.tagesschau.de/inland/lastenraeder-101.html

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